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Absinth

Absinth

Schon in der Antike wurde Wermut als Magentherapeutikum verwendet. Am Ende des 18. Jh., dem Zeitalter des Rationalismus und des Fin de Siecle, wurde es zu einem modischen Anregungsmittel, da es Menschen in einen Rauschzustand versetzen konnte. Leider hatte es einen bitteren, sehr herben Geschmack. Durch Kombination von Wermut und Alkohol begann man, den Wermut zu verfeinern. Auch Henri Louis Pernod hörte von dem herben Getränk mit lakritzartigem Geschmack und stellte es als erster in industrieller Produktion her, um es sehr erfolgreich in der französischen Schweiz und in Frankreich zu verkaufen. Im späten 18. Jh. erhöhten Misserfolge bei der Weinernte die Beliebtheit von Absinth. Im gleichen Maße, wie die Weinpreise stiegen, fiel der Preis für Absinth. Er wurde “en vogue”. Van Gogh, Toulouse-Lautrec, Verlaine, Oscar Wilde, Picasso und Baudelaire mehrten den Ruf des Modegetränkes. Der Absinth setzte zum Siegeszug durch Europa an.

In den Jahren von 1880 – 1914 erreichte Absinth seinen absoluten Höhepunkt, eine Periode, die ‘the great collective binge’ (das kollektive Saufgelage) genannt wurde. Der Drink ist ein Symbol für ‘das Pariser laissez-faire’. 1874 komsumierten die Franzosen 700.000 Liter Absinth, 1910 stieg der Verbrauch sogar auf 36 Millionen Liter pro Jahr! Absinth wurde auch nach New Orleans exportiert, wo es sehr schnell beliebt wurde, aber die amerikanische Freude an der grünen Fee war nur von kurzer Dauer, denn 1912 wurde das Getränk in den USA verboten. Der Bann folgte auf die Verbote in der Schweiz, in Holland, Belgien, Brasilien und anderen Ländern. Frankreich verbot Absinth 1915 nach einer langen Reihe von Debatten, aber das Getränk war so beliebt, dass es bis weit in die 20er und 30er weiterverkauft wurde (teilweise in getarnter Form, am ungewöhnlichsten war wohl der Verkauf in Haar-Tonic-Flaschen). 1923 wurde Absinth dann auch in Deutschland verboten.

Die Verbote wurden hauptsächlich mit der damals sehr hohen Konzentration des Neurotoxins Thujon im Wermut begründet, dieses soll Halluzinationen und Wahnvorstellungen hervorgerufen haben. So soll sich Van Gogh im Absinthrausch sein Ohr abgeschnitten haben und der Dichter Paul Verlaine soll seinen Freund, den Dichter Rimbaud, unter dem Einfluss von Absinth niedergeschossen haben. Ausserdem soll einem spätestens nach dem dritten Glas Absinth die grüne Fee erscheinen…

Pernod veränderte seine Rezeptur und das Produkt wurde nun als Anisgetränk – ohne Wermut – verkauft.
Sehr viele dieser Nachfolgeprodukte sind heute im Umlauf. In einigen Ländern, z.B. Spanien, konnte der Absinth jedoch in kleinen Destillerien überleben.

Erst vor 3 Jahren wurde das Verbot von Absinth in den EU-Staaten aufgehoben. Die Höchstmenge an Thujon ist jetzt streng begrenzt, so dass Absinth heute ohne Angst vor unerwünschten Nebenwirkungen genossen werden kann.